Logo

Doppelabrechnung – ein Kavaliersdelikt?

Neu ist das Problem nicht, aber deswegen nicht weniger aktuell: Partner von Praxisgemeinschaften lassen sich noch immer häufig zu so genannten Doppelabrechnungen hinreißen.

Bei Praxisgemeinschaften handelt es sich um einen Zusammenschluss von zwei oder mehreren Zahnärzten zur Ausübung der Tätigkeit in gemeinsamen Praxisräumen. Die Zahnärzte üben hierbei ihre zahnärztliche Tätigkeit nicht gemeinschaftlich aus (anders bei der Berufsausübungsgemeinschaft). Vielmehr treten sie sowohl im Rahmen des Behandlungsvertrages gegenüber dem Patienten als auch bei der Abrechnung gegenüber der Kassenzahnärztlichen Vereinigung selbständig auf.

Partner einer Praxisgemeinschaft sind nicht gemeinschaftlich tätig!

Zeigen Vertragszahnärzte die Bildung einer Praxisgemeinschaft an, erklären sie damit nach Auffassung der Rechtsprechung zugleich verpflichtend, dass jeder Zahnarzt nur seinen eigenen Patientenstamm behandelt und eine gegenseitige Vertretung nur in „echten Vertretungsfällen“ (etwa wegen Urlaub, Krankheit, Teilnahme an einer Fortbildung oder Wehrübung durch einen Partner) oder bei berechtigter Überweisung erfolgt.

Ohne Vorliegen eines triftigen Grundes sollen Versicherte nach den für die Vertragszahnärzte verbindlichen Bestimmungen innerhalb eines Quartals – bzw. bei kieferorthopädischer Behandlung oder der Behandlung von Parodontopathien bis zu deren Abschluss – den Behandler grundsätzlich nicht wechseln.

Vorzeitiger Wechsel des Behandlers nur mit triftigem Grund!

Doppelabrechnungen treten im Rahmen des willkürlichen Behandlerwechsels („Zahnarzt-Hopping“) innerhalb der Praxisgemeinschaft und der damit einhergehenden doppelten Einlesung der Krankenversichertenkarten auf. Zahnärztliche Leistungen werden dadurch innerhalb eines Quartals sowohl durch den einen als auch durch den anderen Partner erbracht und abgerechnet. Dies betrifft nicht nur Praxisgemeinschaften mit unterschiedlichen Fachrichtungen, sondern auch solche gleicher Richtung. Mit diesem Verhalten wird die Fallzahl beider Partner fälschlich erhöht, womit diese im Hinblick auf die Teilnahme an der Honorarverteilung gemäß HVM ungerechtfertigte persönliche Vorteile – zum Nachteil der übrigen Kollegenschaft – erzielen.

Doppelabrechnungen gehen zu Lasten der Vertragszahnärzteschaft!

Gegen die strikte Trennung der Patientenstämme in Praxisgemeinschaften verstößt im Übrigen auch das von Zahnärzten praktizierte „Timesharing“, bei dem sich die Partner beim Abhalten der Sprechstunden abwechseln. Denn die Vertretung eines Partners in der Praxisgemeinschaft ist nur in Ausnahmefällen zulässig und erfordert das Vorliegen eines der oben genannten Vertretungsgründe. Fehlt ein solcher, handelt es sich um unzulässige Fälle „unechter Vertretung“, da dabei der Grundsatz der persönlichen Leistungserbringung und die Präsenzpflicht verletzt werden.

Im Alltag einer Praxisgemeinschaft müssen Patienten, deren Behandler nicht anwesend ist, daher auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet werden und dürfen – wenn es sich nicht um einen Notfall handelt – grundsätzlich nicht von einem anderen Zahnarzt der Praxisgemeinschaft behandelt werden.

Die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen sind in derartigen Fällen berechtigt und verpflichtet, unechte Vertretungsfälle zu überprüfen und zu kürzen.

Die KZV ist bei Doppelabrechnungen zu Honorarkürzungen berechtigt!

Im Ergebnis droht Zahnärzten, die im Rahmen einer Praxisgemeinschaft Doppelabrechnungen produzieren, die Kürzung ihres Honorars sowohl im Wege der sachlich-rechnerischen Berichtigung als auch im Rahmen der Honorarverteilung. Die Einleitung eines Disziplinarverfahrens mit möglicherweise weit reichenden Folgen – etwa ein Bußgeld oder das Ruhen der Zulassung bis zu zwei Jahren – verbleibt als weitere mögliche Konsequenz.

Nach oben

Abteilung Recht

Tel.: 030 89004-0
Fax: 030 89004-190
rechtsabteilung(at)kzv-berlin.de