Herausgabe von Röntgenaufnahmen an den Patienten?

Viele Zahnärzte sind sicherlich schon einmal in die Situation gekommen, dass ein Patient Röntgenaufnahmen anfordert.

Hat er hierauf Anspruch? Müssen – sofern nicht digitale Aufnahmen vorhanden sind - dem Patienten die Röntgenbilder im Original überlassen werden?

Hier lautet die Antwort nein.

Der Patient hat ein Einsichtsrecht in die Behandlungsunterlagen, so auch die Röntgenbilder, allerdings kein Recht auf Überlassung der Originalunterlagen. Ganz im Gegenteil stehen diese im Eigentum des Zahnarztes. Röntgenbilder zur Untersuchung sind von ihm nach § 85 Absatz 2 Nr. 2 Strahlenschutzgesetz (StrSchG) 10 Jahre lang aufzubewahren (bzw. bei einer minderjährigen untersuchten Person bis zur Vollendung ihres 28. Lebensjahres).

  • Beachten Sie in diesem Zusammenhang, dass Sie ggf. in Prüfverfahren der KZV, z. B. einer sachlich-rechnerischen Berichtigung oder Wirtschaftlichkeitsprüfung, oder in Gerichtsverfahren in Beweisnot geraten könnten, wenn die (Original-)Bilder bei Ihnen nicht mehr vorhanden sind. Deshalb ist anzuraten, die Bilder nicht unbedacht aus der Hand zu geben!

Den Anspruch auf Überlassung der Originalaufnahmen hat nicht der Patient, sondern ggf. ein weiterbehandelnder anderer Zahnarzt. Hierzu sei § 85 Absatz 3 StrSchG zitiert:

„Der Strahlenschutzverantwortliche hat […] einem weiter untersuchenden oder behandelnden Arzt oder Zahnarzt Auskünfte über die Aufzeichnungen zu erteilen und ihm die Aufzeichnungen sowie die Röntgenbilder, die digitalen Bilddaten und die sonstigen Untersuchungsdaten vorübergehend zu überlassen. Bei der Weitergabe sind geeignete Maßnahmen zur Einhaltung der ärztlichen Schweigepflicht zu treffen. Der untersuchten oder behandelten Person ist auf deren Wunsch eine Abschrift der Aufzeichnungen zu überlassen.“

  • Aus dem o. g. Recht des Patienten auf Einsichtnahme in die Patientenakte ergibt sich dessen ungeachtet die Möglichkeit, dass auf Anforderung ein Duplikat der (Original-)Röntgenaufnahme gegen Erstattung der Kosten angefertigt werden kann.

Klar ist, dass es dem Patienten nicht zuzumuten ist, sich einer nochmaligen Strahlenbelastung auszusetzen, wenn sein neuer Zahnarzt Röntgenbilder benötigt. Hierzu heißt es ergänzend in den Behandlungsrichtlinien zur Röntgendiagnostik:

„Vor Röntgenuntersuchungen ist stets abzuwägen, ob ihr gesundheitlicher Nutzen das Strahlenrisiko überwiegt, Die Strahlenexposition ist auf das notwendige Maß zu beschränken. […] Bei neuen Patienten oder bei Überweisungen sollen nach Möglichkeit Röntgenaufnahmen, die von vorbehandelnden Zahnärzten im zeitlichen Zusammenhang angefertigt worden sind, beschafft werden. Diese Röntgenaufnahmen sollen vom nachbehandelnden Zahnarzt in Diagnose und Therapie einbezogen werden.“

Es besteht folglich die Pflicht, dem Nachbehandler vorhandene Bilder zu überlassen. Dies gilt allerdings nur für aktuelle (in der Regel nicht älter als sechs Monate), auswertbare Röntgenaufnahmen, da nur mittels diesen nach den o. g. Behandlungsrichtlinien ein ordnungsgemäßer Röntgenbefund erhoben werden kann. Diese Überlassung geschieht dann auch nur vorübergehend, und zwar solange die Bilder für die Behandlung benötigt werden; an den Eigentumsrechten und den Aufbewahrungspflichten ändert sich nichts. Der Nachbehandler darf die Aufnahmen nicht dauerhaft für sich beanspruchen!

Wenn Sie einem Nachbehandler die Röntgenaufnahmen überlassen, notieren Sie den genauen Verbleib Ihrer Unterlagen und wählen Sie eine sichere Übersendungsmethode, die Ihnen gleichzeitig den Nachweis liefert, dass Sie die Bilder verschickt haben. Idealerweise - sofern Sie es ohne großen Aufwand einrichten können, übergeben Sie die Röntgenaufnahmen persönlich und lassen sich eine entsprechende Quittung ausstellen.

Gleiches gilt natürlich auch, wenn Sie von einem Gericht oder einem bestellten Gutachter zur Übersendung der Unterlagen aufgefordert werden. Denn: Mangelnde Sicherheitsvorkehrungen könnten zum Verlust der Röntgenbilder führen, was ggf. für Sie unangenehme Konsequenzen haben könnte.

  • Eine Herausgabe der Original-Röntgenbilder unmittelbar an den Patienten kann schließlich durchaus in dessen Interesse und im Interesse des Nachbehandlers liegen und den Übermittlungsweg abkürzen. Ausnahmsweise kann es sich daher anbieten, die Bilder dem Patienten zu übergeben, sofern gesichert ist, dass sie für die Weiterbehandlung bei einem anderen Zahnarzt erforderlich sind. Im Zweifelsfall sollte man sich hierüber telefonisch vergewissern. Zudem sollte der Patient eine Empfangsbestätigung unterschreiben, wenn er die Röntgenbilder persönlich abholt.

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